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Ferienwohnung erfolgreich vermieten:
Was wirklich über Auslastung und Umsatz entscheidet

Armin Bengel · GASTWERT

Eine volle Ferienwohnung ist nicht automatisch eine erfolgreiche Ferienwohnung.

Wer eine Ferienwohnung vermietet, schaut häufig zuerst auf die Auslastung: Wie viele Nächte sind gebucht? Wie lassen sich freie Tage noch füllen? Wie entstehen mehr Buchungen?

Das sind wichtige Fragen. Für den wirtschaftlichen Erfolg einer Ferienwohnung reichen sie aber nicht aus.

Denn entscheidend ist nicht nur, wie häufig eine Unterkunft gebucht wird, sondern auch zu welchem Preis, von welchen Gästen, über welche Vertriebskanäle und mit welchem Aufwand.

Erfolgreiche Ferienvermietung entsteht deshalb aus dem Zusammenspiel von Positionierung, Vermarktung, Preis und Betrieb.

Erfolgreiche Ferienvermietung beginnt mit der richtigen Positionierung

Bevor über Preise, Booking.com, Airbnb oder Direktbuchungen gesprochen wird, sollte eine andere Frage beantwortet sein:

Für wen ist die Ferienwohnung eigentlich gedacht?

Familien haben andere Anforderungen als Paare. Geschäftsreisende achten auf andere Dinge als klassische Urlaubsgäste. Auch Lage, Aufenthaltsdauer und Reiseanlass beeinflussen, was für einen Gast relevant ist.

Trotzdem versuchen viele Angebote, möglichst jeden anzusprechen.

Das kann dazu führen, dass eine Ferienwohnung zwar vieles bietet, aber wenig eigenes Profil entwickelt.

Eine klare Positionierung bedeutet nicht, andere Gäste auszuschließen. Sie sorgt vielmehr dafür, dass eine Unterkunft für die passende Zielgruppe besonders relevant wird.

Und genau daraus ergeben sich weitere Entscheidungen: von der Ausstattung über die Darstellung bis zum erzielbaren Preis.

Sichtbarkeit allein bringt noch keine Buchungen

Booking.com, Airbnb und andere Buchungsportale können einer Ferienwohnung enorme Reichweite verschaffen.

Aber Reichweite allein reicht nicht.

Ein Gast entscheidet innerhalb kurzer Zeit zwischen vielen Angeboten. Bilder, Ausstattung, Bewertungen, Preis und Buchungsbedingungen erzeugen dabei gemeinsam einen Eindruck.

Die entscheidende Frage lautet deshalb:

Warum sollte sich der Gast für genau diese Unterkunft entscheiden?

Buchungsportale sind wichtige Vertriebskanäle. Sie sind aber keine Vermietungsstrategie.

Auch eine eigene Website und Direktbuchungen können Teil des Vertriebs sein. Welche Kombination sinnvoll ist, hängt von Unterkunft, Standort und Zielgruppe ab.

Entscheidend ist nicht, auf möglichst vielen Plattformen vertreten zu sein.

Entscheidend ist, die richtigen Gäste zu erreichen und aus Sichtbarkeit tatsächlich Buchungen zu machen.

Eine hohe Auslastung ist nicht automatisch wirtschaftlich

Ein voller Buchungskalender fühlt sich zunächst nach Erfolg an.

Wirtschaftlich kann das täuschen.

Ein einfaches Beispiel:

Eine Ferienwohnung verkauft innerhalb eines Monats 28 Nächte zu durchschnittlich 100 Euro. Das ergibt 2.800 Euro Übernachtungsumsatz.

Eine andere verkauft lediglich 22 Nächte, erzielt aber durchschnittlich 140 Euro. Das ergibt 3.080 Euro Übernachtungsumsatz.

Die zweite Unterkunft hat eine niedrigere Auslastung – und trotzdem mehr Umsatz.

Noch nicht berücksichtigt sind dabei Provisionen, Reinigung, Wäsche oder der Aufwand durch unterschiedliche Aufenthaltsdauern und Gästewechsel.

Deshalb sollte das Ziel nicht automatisch lauten:

Wie bekomme ich meine Ferienwohnung möglichst voll?

Die bessere Frage ist:

Welche Kombination aus Preis und Belegung führt zu einem guten wirtschaftlichen Ergebnis?

Auslastung ist eine wichtige Kennzahl. Allein betrachtet sagt sie jedoch erstaunlich wenig darüber aus, wie erfolgreich eine Ferienwohnung tatsächlich betrieben wird.

Der richtige Preis ist nicht jeden Tag derselbe

Auch der Übernachtungspreis lässt sich nicht losgelöst von der Nachfrage betrachten.

Ferienzeiten können anders funktionieren als die Nebensaison. Wochenenden anders als Werktage. Veranstaltungen, Buchungsvorlauf und bereits vorhandene Belegung können die Nachfrage zusätzlich verändern.

Ein Preis, der heute richtig ist, muss deshalb für einen anderen Termin nicht ebenfalls richtig sein.

Genau hier setzt eine professionelle Preisstrategie an.

Dynamic Pricing und entsprechende Software können dabei eine Rolle spielen. Entscheidend ist aber nicht allein das eingesetzte Werkzeug, sondern das Verständnis dafür, wann Nachfrage entsteht und welchen Preis der Markt für das eigene Angebot akzeptiert.

Wie Auslastung, Durchschnittspreis und Nachfrage sinnvoll zusammengedacht werden, ist deshalb ein eigenes Thema – und eines der wichtigsten in der professionellen Ferienvermietung.

Die Buchung ist nicht das Ende der Vermarktung

Eine gute Darstellung und ein passender Preis können eine Buchung gewinnen.

Was danach passiert, beeinflusst die nächsten.

Denn aus Aufenthalten entstehen Bewertungen. Bewertungen schaffen Vertrauen – oder verhindern es.

Sauberkeit, Anreise, Kommunikation und der Umgang mit Problemen sind deshalb nicht nur operative Themen. Sie haben direkten Einfluss darauf, wie eine Unterkunft von zukünftigen Gästen wahrgenommen wird.

Dabei bedeutet ein gutes Gästeerlebnis nicht automatisch mehr Aufwand.

Gut organisierte Abläufe können sogar das Gegenteil bewirken.

Gerade die Gästekommunikation zeigt das deutlich: Nicht möglichst viele Nachrichten verbessern den Aufenthalt, sondern die richtige Information zum richtigen Zeitpunkt.

Wie weit sich solche Abläufe standardisieren oder automatisieren lassen, hängt wiederum stark vom jeweiligen Betrieb ab.

Aus Vermietung wird Betrieb

Bei einer einzelnen Ferienwohnung können viele Abläufe noch manuell funktionieren.

Mit mehreren Unterkünften, zusätzlichen Buchungskanälen und steigender Buchungszahl wächst jedoch die Komplexität.

Plötzlich müssen Verfügbarkeiten, Preise, Gästekommunikation, Check-ins, Housekeeping und weitere Abläufe miteinander koordiniert werden.

Dann wird aus Ferienvermietung zunehmend ein professioneller Beherbergungsbetrieb.

Property-Management-Systeme, Automatisierung und klar definierte Prozesse können dabei eine wichtige Rolle spielen.

Aber auch hier gilt:

Mehr Technik bedeutet nicht automatisch einen besseren Betrieb.

Welche Systeme sinnvoll sind und welche Prozesse überhaupt automatisiert werden sollten, hängt von Größe, Struktur und Arbeitsweise des jeweiligen Betriebs ab.

Entscheidend ist das Zusammenspiel

Die einzelnen Bereiche einer Ferienvermietung lassen sich nicht dauerhaft getrennt voneinander betrachten.

Die Positionierung beeinflusst die Zielgruppe.

Die Zielgruppe beeinflusst das Angebot.

Das Angebot beeinflusst den erzielbaren Preis.

Preis und Nachfrage beeinflussen die Auslastung.

Und das Versprechen aus der Vermarktung muss anschließend im Betrieb erfüllt werden.

Genau deshalb gibt es selten den einen Hebel, der eine Ferienwohnung plötzlich erfolgreicher macht.

Bessere Bilder können helfen. Eine andere Preisstrategie kann helfen. Ein zusätzlicher Vertriebskanal kann helfen. Automatisierung kann helfen.

Entscheidend ist aber, an der richtigen Stelle anzusetzen.

Und diese Stelle ist nicht bei jedem Betrieb dieselbe.

Fazit: Nicht voller vermieten, sondern besser

Wer eine Ferienwohnung erfolgreich vermieten möchte, sollte deshalb nicht nur fragen, wie sich mehr Buchungen erzielen lassen.

Mindestens genauso wichtig ist:

Erreiche ich die richtigen Gäste?

Passt mein Preis zu Angebot und Nachfrage?

Nutze ich die richtigen Vertriebskanäle?

Und funktioniert mein Betrieb so, dass das Versprechen aus der Vermarktung auch beim Gast ankommt?

Erst wenn diese Bereiche zusammenspielen, entsteht aus einer gut gebuchten Ferienwohnung ein wirtschaftlich gut aufgestelltes Beherbergungsangebot.

Das Ziel ist deshalb nicht einfach:

voller vermieten.

Sondern:

besser vermieten.

Ferienvermietung strukturiert weiterentwickeln

In der GASTWERT Gastgeberberatung betrachten wir Positionierung, Angebot, Preise, Vermarktung und Gästeerlebnis im Zusammenhang.

Nicht jede Unterkunft braucht dieselben Maßnahmen. Entscheidend ist herauszufinden, wo im jeweiligen Betrieb tatsächlich Potenzial liegt.